Donnerstag, 23. Oktober 2014

Nette Kontakte und Unistress


Hallo meine Lieben,
Ich habe mir nun schon seit einiger Zeit vorgenommen, etwas von mir hören zu lassen und nun ist es endlich soweit.
Vor ungefähr einem Monat war der ersehnte Zeitpunkt gekommen, an dem mich mein Freund für zwei Wochen besucht hat. Kurz nach seiner Ankunft habe ich all meine Sachen zusammengepackt und bin mit seiner Hilfe in mein neues Heim umgezogen. Dieses befindet sich im ruhigen Stadtteil Graça, nicht weit von dem Vorherigen entfernt  Ich wohne nun mit einer sehr, sehr netten jungen portugiesich-spanischen Künstlerin zusammen und ich muss sagen, dass mir der Umzug wirklich gut getan hat. Endlich habe ich jemanden in meinem nahen Umfeld, zu dem ich einen persönlichen Kontakt knüpfen kann. Ich nenne meine neue Mitbewohnerin Diana auch schon scherzhaft meine „portugiesische Mami“ und das trifft es wirklich ein bisschen.
Die zwei Wochen mit Tobias vergingen wie im Flug. Für ihn war es ein bisschen schade, dass ich so viel Zeit in der Uni verbringen musste und wir somit nicht besonders viel gemeinsame Zeit zur Verfügung hatten. Dennoch haben wir es zumindest geschafft einen Strandtag an einem der zahlreichen Strände auf der anderen Seite des Flusses Tejo zu verbringen und an einem Tag haben wir einen Ausflug nach Sintra gemacht. Die gemeinsame Zeit mit Tobias habe ich wirklich sehr genossen. Es ist einfach sehr schön jemanden bei sich zu wissen, der mich kennt und so annimmt, wie ich bin. Der Abschied ist mir wie schon beim ersten Mal sehr schwer gefallen, aber durch den Kontakt mit Diana fühle ich mich dennoch nicht einsam. Wir kochen oft abends miteinander und ich glaube ich habe noch nie in meinem Leben so häufig Wein getrunken, wie momentan ;).
So gut es auch momentan privat läuft, so sehr muss ich leider auch über meine Zeit in der Uni klagen. Da Lea und ich die ersten Studentinnen sind, die an diesem Studiengang in Kooperation mit dieser portugiesischen Hochschule teilnehmen, ist vieles noch sehr, sehr unkoordiniert. Wir fühlen uns wirklich ein bisschen wie die Versuchskaninchen und das ist in vielen Situationen ein wirklich niederschmetterndes Gefühl. Der momentane Standpunkt ist, dass Lea und ich ein sogenanntes „Learning Agreement“ unterschrieben haben, auf welchem wir bestätigen, dass wir 60 Credits in unserem Jahr hier erreichen werden. (Ein Credit Point ist eine Einheit, die für etwa 30 Stunden Arbeitsaufwand steht). Lea und mir war jedoch nicht so wirklich bewusst, was diese Anzahl an Credits für Konsequenzen für uns haben würde. Es bedeutet nämlich im Klartext, dass wir hier im Masterstudiengang, in dem der Lernstoff von zwei Jahren, innerhalb von einem Jahr behandelt wird, an allen Kursen teilnehmen müssen UND die entsprechenden Prüfungen bestehen sollen und dass natürlich auf portugiesisch. Wir haben schnell gemerkt, dass diese Situation unsere Grenzen definitiv überschreitet. (Nicht nur unsere Grenzen, eine portugiesische Studentin aus unserem Kurs, hat das Studium bereits abgebrochen). GLÜCKLICHERWEISE kommt heute der Hochschulleiter der EHS zu uns und dann hoffe ich wirklich, dass noch einmal etwas an den Bedingungen verändert wird.
So nun habe ich mich aber genug beklagt! Noch ein ganz kurzer Wetterreport: Vor einiger Zeit hatten wir eine sehr regnerische Woche, doch nun ist wieder allerschönster Sonnenschein und 27°C, sodass ich noch immer mit kurzen Sachen durch die Gegend laufen kann.
Ich Grüße euch alle herzlich.

P.S. Ich habe mit Lea zusammen ein Video erstellt, auf dem ihr euch meinen Weg von der Hochschule nach Hause anschauen könnt. Das ganze geschieht im Zeitraffer, sodass mir beim Anschauen ein bisschen schwindelig wird, ich hoffe, ihr haltet das durch ;)

wen das Gegenstück von Lea interssiert:




Und noch ein paar Eindrücke, in Bildern festgehalten:

Fröhliches Beisammensein mit Tobi und Diana in der neuen Bude



"Mein" Innenhof

Und der Hauseingang






Fado lauschen und Bier trinken


Das nahe gelegene Pantheon







Die Sonne in der Pause vor der Hochschule genießen


Mein erster Vortrag auf portugiesisch



Samstag, 27. September 2014

Die ersten Wochen

Hallo ihr Lieben,
es wird Zeit, dass ich euch berichte, was ich hier in Lissabon so treibe und wie es mir geht.
Vor drei Wochen habe ich einen einwöchigen Sprachkurs meiner Hochschule absolviert. Obwohl es ein Anfängersprachkurs war, kann ich sagen, dass er mir wirklich viel gebracht hat. Da ich die Grundlagen bereits kannte, war es mir möglich ganz viele Kleinigkeiten der portugiesischen Sprache aufzuschnappen und außerdem war es für mich natürlich ein tolles Gefühl, dass es mir gelang ein bisschen auf dieser Sprache sprechen zu können. Durch den Kurs habe ich einige Kontakte knüpfen können - ich habe dadurch eine sehr nette Gruppen von Spaniern kennengelernt (die ich offen gestanden darum beneide, dass sie sich ohne weiteres auf portugiesisch verständigen können).
Nach dem Sprachkurs, in dem ich noch sehr in Watte gepackt war, wurde ich in der darauffolgenden Woche dann ins kalte Wasser geworfen: vier Tage Praktikum in einem portugiesischen Kindergarten standen mir bevor.
Ich muss zugeben, dass ich schon ein bisschen Angst vor der Kommunikation dort hatte, aber letztendlich hat sich dieses Praktikum als sehr entspannt herausgestellt. Ich war begeistert davon, wie offen mir die Kinder gegenübertraten. Es war einfach schön, wie sehr sich einige Kinder darum bemühten mit mir zu reden, auch wenn dies sicherlich nicht ganz einfach für sie war.
Insgesamt habe ich die Tage in dem Kindergarten als sehr bereichernd empfunden. Mir fiel auf, dass der Umgang zwischen den Kindern und den Erzieherinnen ganz anders war, als in dem Kindergarten, in dem ich in Deutschland arbeite. Ich habe das Miteinander als sehr liebevoll, zugleich aber auch von klaren Ansagen und Autorität geprägt, empfunden.
In der letzten Woche ging dann das Studium in der Hochschule los. Ich bin hier zusammen mit meiner Freundin Lea im Masterstudiengang für Vorschulerziehung gelandet, obwohl wir in Deutschland ja noch gar keinen Bachelor haben. Wir sind in einer Studiengruppe von 20 Studentinnen, bei denen ich mich wirklich wohl fühle. Von dem Verständnis der Seminare schreibe ich lieber nicht, aber so viel sei verraten: wenn ich das grobe Thema verstehe, um dass es geht, dann bin ich schon froh. Ich finde es bemerkenswert, wie viel Lea hingegen schon versteht. Sie bringt sich teilweise häufiger als andere Kommilitonen im Seminar ein.

An einem Wochenende habe ich mit Lea einen ganz wunderbaren Ausflug in die schöne Stadt Sintra gemacht und an einem Tag haben wir es uns am nahe gelegenen Strand gut gehen lassen. Es ist wirklich unglaublich und ich muss es mir selbst immer wieder sagen, um es wirklich zu glauben: Ich lebe hier in dieser tollen Stadt mit diesen tollen Menschen, diesem tollen Strand und mit so vielen tollen Ausflugszielen in der Umgebung!

mein Zimmer

mein Zimmer

das Wohnzimmer

Blick aus der Küche

Ausflug mit Lea







Ach ja, uns geht´s schon gut!


Eindrücke aus dem Kindergarten

Eindrücke aus dem Kindergarten

Kaffeepause

Rotkäppchen und der Wolf


Was für ´ne Sau!

ein tolles Schokoladengeschäft

Mittwoch, 10. September 2014

Erst mal ankommen

Hallo ihr Lieben,
nun bin ich schon seit drei Wochen in Portugal, so dass es für mich an der Zeit ist ein erstes Lebenszeichen von mir zu geben.
Nachdem ich gut eine Woche lang meinen ganzen Kram zusammengepackt hatte, war am 20. August der Tag der Wahrheit gekommen: Würde EasyJet mich durch die Gepäckkontrolle lassen oder wäre es mir nicht vergönnt, meinen ganzen Hausstand in Form eines großen Ziehkoffers und eines Backpakerrucksacks mit nach Portugal zu nehmen?
Glücklicherweise wurde alles ohne Beschwerde entgegengenommen, sodass Tobias und mich nur noch ein vierstündiger Flug von unserem Etappenziel Faro trennte.
In der hübschen Hafenstadt verbrachten wir eine Nacht im Hostel, welche für mich nicht schlimmer hätte sein können. Wir schliefen in einem Zehnbettzimmer, was schon an sich recht gewöhnungsbedürftig war. Hinzu kam jedoch, dass ich auf dem Doppelstockbett schlicht und einfach seekrank wurde, sobald Tobi, der eine Etage tiefer lag sich, sich minimal bewegte. Der Höhepunkt war jedoch ein Engländer mittleren Alters, der bei jedem Mucks, der entstand, das ganze Zimmer zusammenschrie und dabei „Die Deutschen“ aufs übelste beschimpfte. Ich kann mich nicht entsinnen auch nur einen einzigen Satz von ihm gehört zu haben, in dem nicht das Wort „f*ck“ vorkam.
Nun gut. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus an der Küste weiter nach Portimão und schließlich etwas weiter ins Landesinnere nach Toejeiro. Dabei handelt es sich um ein Fleckchen Erde, irgendwo im nirgendwo. Hier leben zusammen mit den Besitzern ca. 30 junge Menschen, sogenannte „WOOFers“, die für Kost und Logie auf dem Grundstück arbeiten. Obwohl sie angesichts der Hitze die meiste Zeit in ihren Entspannungsecken saßen und den Tag beim vorüberziehen zusahen.
Am Freitag Abend war dann das besondere Event: die „Pizza-Night“. Wir haben selber Pizza im Steinofen gebacken und es kamen ungefähr 150 Menschen von nah und fern, obwohl nah wohl eher nicht zutrifft, da das nächste Haus erst in einem guten Kilometer Entfernung stand.
Nach diesem spektakulären und anstrengenden Abend, haben wir uns wieder auf den Weg gemacht und haben zwei Tage im schönen Portimão, bei einem sehr netten deutschen Couchsurfer gebracht.
Am 26. August war es dann soweit: nach einer halbtägigen Busfahrt, haben wir uns mit Sack und Pack einen nicht zu enden scheinenden Berg in Lissabon hochgekämpft. Die Anstrengung hat sich aber gelohnt: Die Wohnung, welche ich nun für einen Monat mein Eigenheim nennen darf, ist sehr hübsch!
In den letzten Tagen habe ich die Stadt der sieben Hügel zu Fuß erkundet und ich muss sagen, dass sich Lissabon diesen Titel wirklich verdient hat. Wer ohne trainierte Oberschenkel aus Lissabon wieder nach Hause kommt, der macht irgendetwas falsch!

 


Unser Zelt in Tojeiro


eifrige Vorbereitungen für die "Pizza-night"

Blick aus dem Küchenfenster in Portimão
lang ersehnte Wiedervereinigung in Lissabon

Blick aus meinem Zimmer in Lissabon



meine Hochschule

Museumsbesuch mit der netten Laura aus Frankreich

Museumsbesuch mit der netten Laura aus Frankreich



die Abenstimmung genießen

Huch, wer ist denn da auf dem Balkon über uns? Smaltalk mit den Nachbarn.